Autoreninterview mit: Hildegard Grünthaler

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Während unserer ersten dreijährigen Wohnmobilreise durch Nordamerika, Neuseeland und Australien begann ich mit dem dem Schreiben eines ausführlichen Reisetagebuchs. Sehr schnell wurde mit klar, dass unsere Erlebnisse auch für andere Wohnmobilreisende interessant sein müssten. Natürlich wollte ich nicht einfach das Reisetagebuch in Buchform pressen. Aber das Tagebuch war eine wertvolle Gedankenstütze, um interessierten Lesern  die vielfältigen Landschaften und Eindrücke in unterhaltsamer Form zu übermitteln. Dieser dreijährigen Reise ging natürliche eine längere Recherchezeit voraus. Die Verschiffung des Wohnmobils, bürokratischen Hürden, Visa, Zollpapiere usw. mussten beachtet werden. All diese notwendigen Informationen habe ich alphabetisch geordnet in den Infoteil an den Schluss des Buch gepackt.

Nachdem wir wieder zu Hause waren und ich das fertiggestellte Manuskript veröffentlichen wollte, merkte ich sehr schnell, dass nicht nur ich über lange Reisen geschrieben hatte. Von sämtlichen Verlagen, die ich kontaktierte, wurde ich bereits am Telefon mit den Worten abgewimmelt: „Nein, kein Interesse! Mit solchen Reisegeschichten werden wir erschlagen. Die lesen sich samt und sonders wie Schulaufsätze!“ Ich kam gar nicht dazu, mein Manuskript einzuschicken. Auch Herr Stein vom Conrad Stein Verlag reagierte so. Trotzdem erklärte er sich nach einem längeren Gespräch bereit, das Manuskript zu lesen. Die Zusage kam bereits am nächsten Tag. Mittlerweile ist „Tausend Tage Wohnmobil – In drei Jahren durch Amerika, Australien und Neuseeland“ bei Wohnmobil-Fernreisenden und solchen, die es werden wollen, ein Begriff. Nicht umsonst ist  bereits die dritte Auflage im Buchhandel.

Als wir einige Jahre später für ein weiteres Jahr Nordamerika bereisten, war auch unser Hund dabei. Auch auf dieser Reise habe ich wieder ausführlich Tagebuch geschrieben, auf dessen Basis dann das Reisebuch „On the Road – Ein Jahr mit Wohnmobil und Hund durch Nordamerika“ entstanden ist. Auch hier habe ich das Konzept Unterhaltung und Information beibehalten.

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Das ist schon eine aufregende Sache. Besonders wenn man das erste Buch als Stapel neben der Kasse liegen sieht. Als dann die ersten Rezensionen eintrafen, wurde ich richtig zitterig, obwohl ich ja schon vorher sehr viel positives Feedback hatte.
Die Kinderbücher habe ich selbst verlegt. Da kam dann plötzlich ohne Vorwarnung, und noch bevor ich die ersten Rezensionsexemplare verschickt hatte, eine Amazon-Rezension zu „Die Beschwörungsformel“ mit der Überschrift: „Großartiger Lesespaß!“ Ich war echt aus dem Häuschen.

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?

Wer einmal mit dem Schreiben angefangen hat, bleibt meist dabei. Bei den Reisebüchern war das Thema vorgegeben. Bei meinen Kinderbüchern oder auch den Krimis (es ist gerade wieder einer in Arbeit), kommt nichts so einfach „auf Bestellung“. So nach und nach kommen die Ideen von selbst, werden immer wieder abgewandelt, bis ein grobes Gerüst entstanden ist. Ich scheue mich aber auch nicht, das Gerüst solange wieder einzureißen, bis ich denke, dass es passt. Der Rest kommt aus dem Bauch.

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Nein, ich schreibe überall. Früher im Wohnmobil, jetzt am Schreibtisch im Arbeitszimmer, auf der Terrasse, auf dem Sofa mit dem Laptop auf den Knien – nur nicht im Bett.

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?

Meine Familie und teils auch Freunde sind strenge Kritiker. Mein Mann liest schon während des Entstehungsprozesses und ist an der Story natürlich nah dran. Das galt natürlich besonders für die Reisebücher, aber auch zu den anderen gibt er stets „seinen Senf dazu“. Ohne Feedback im Entstehungsprozess wäre es für mich schwieriger.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Nach dem Wort ENDE kommt erst das große Überarbeiten. Korrekturlesen und nochmals Korrekturlesen und nochmals … Wenn das Buch dann aber wirklich fertig und abgeschickt ist, fühle ich erst mal eine Leere und ich beginne schon an die nächste Story zu denken. Allerdings gerät das schnell wieder in den Hintergrund, weil das neue Buch ja bekannt gemacht werden muss – und klappern gehört schließlich zum Handwerk. Von meinen Protagonisten ist mir am meisten „Kalatur, der Geist des Rauches“ aus „die Beschwörungsformel ans Herz gewachsen. Das ging auch vielen meiner Leser so. Trotzdem gibt es noch keine Fortsetzung. Ausschließen will ich das aber nicht. Dafür dürfen aber die Wohnmobilreisenden „Helga und Jürgen Brombacher“ aus dem „Highway ins Verderben“ in Australien neue mörderische Abenteuer erleben. Auch dieser Krimi wird wieder ein Reisekrimi. Die Gegenden die ich auf unseren Reisen besichtigt und genossen habe, sind jetzt Schauplatz spannender Krimis.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja, welchen? Und wie schaffst du es das alles unter einen Hut zu bringen?

Nein, ich bin in Rente, was aber nicht heißt, dass ich deshalb von morgens bis abends am PC sitzen kann. Außerdem bin ich ja auch als Großmutter gefragt. Und wenn ich irgendwo in der Story hängen geblieben bin, dann schreibe ich erst weiter, „wenn etwas aus dem Bauch kommt.“ Und in erster Linie ist das Schreiben für mich ein schönes Hobby. Wenn das, was dabei herauskommt, meinen Lesern gefällt, freue ich mich natürlich ganz besonders.

Frage 8: Gibt es etwas das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Den Lesern meiner Reisebücher möchte ich ans Herz legen: „Schiebt Eure Pläne und Wünsche nicht auf die lange Bank, sondern beginnt mit dem Planen. Dann fügt sich der Rest von selbst.“ Den Krimi- und Kinderbuchlesern wünsche ich ganz einfach viel Spaß bei meinen Geschichten!

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Hildegard und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

Facebook / Instagram / Wohnmobil-Weltreise / Schmökerseite / Amazon

Unbezahlte Werbung

%d Bloggern gefällt das: